Donnerstag, 5. Januar 2017

Die letzte Raunacht

Heute Nacht werden wir die letzte Raunacht erleben.
 Sie dient uns als Orakelnacht für den Dezember des kommenden Jahres
 (was ihr heute träumt oder orakelt gilt als Vorschau für kommenden Dezember), 
sie ist aber auch die wichtigste Nacht der Percht bzw, der großen Göttin,
 von der die Percht ja nur ein Aspekt ist). 
Heute Nacht erscheint die Göttin einmalig im Jahr in ihrer dreifachen Gestalt. 
Als jugendlich weiße Frühlingsgöttin, als rote fruchtbare Feuerfrau 
und als schwarze alte weise Percht, 
die uns ja sowieso jetzt schon viele Wochen begleitet.
 Für uns besteht die Möglichkeit, heute alles abzugeben, 
was nicht mehr zu uns dazu gehört und all die Kraft zu sammeln, 
die wir im kommenden Jahr brauchen.
 Seit 11 Tagen werden wir nun geprüft, 
ob wir uns noch auf unserem Herzensweg befinden, 
ob wir wirklich reinen Herzens sind
 und ob wir so leben, dass es uns selbst wirklich gut tut. 
Oder leben wir vielleicht immer noch für die anderen. 
Das Kind, das es den Eltern recht machen will, 
die Frau, die sich selbst verleugnet, nur um geliebt zu werden, 
die Mutter, die sich aufopfert um den Ansprüchen der Kinder gerecht zu werden.
 Der Mann der seinen Vater beeindrucken will, 
nur um endlich einmal etwas Liebe von ihm zu bekommen. 
Der Mann der zwischen all den Ansprüchen der heutigen Gesellschaft
 das Mannsein verloren hat, 
der Vater der seine Kinder unendlich liebt, aber nicht so recht weiß, 
wie er diese Liebe geben soll, weil er sie selbst nie erhalten hat. 
Und diese Liste könnten wir wohl noch ewig weiter schreiben. 
Die Göttin kommt heute Nacht bei uns vorbei. 
Sie schaut uns an mit den Augen der Liebe – so wie eine Mutter ihr Kind liebt. 
Sie ERKENNT uns, sie sieht in unsere Seele und in unser Herz.
 Manch einer mag sich nicht aufdecken lassen 
und tobt gerade ganz fürchterlich im Außen herum.
 Manch einer beschuldigt und bewertet gerade die ganze Welt,
 aus lauter Angst sich selbst stellen zu müssen. 
Manch ein anderer wird ganz ruhig – er blickt in die Augen der Percht
 und kann die Liebe darin sehen und freut sich, endlich erkannt zu sein. 
Er hat keine Angst mehr aufgedeckt zu werden, weil er sein Leben bereits so lebt,
 wie er oder sie es für richtig hält, und wie es einfach gut tut und glücklich macht.
 Wer sich bereits jetzt selbst in den Spiegel sehen kann 
und ehrlich sagen kann, dass er guten Herzens ist,
 der braucht keine Angst zu haben. 
Wer aber noch immer Wut und Gram und Ärger, Eifersucht, Hass und Unehrlichkeit mit sich herum trägt, der sollte vielleicht noch einmal sich selbst prüfen,
 bevor er die Percht ruft – denn wenn er sich selbst nicht prüft, 
wird ihn wohl das Leben prüfen. 
Ich werde heute Abend einen schönen Speisenteller für die Percht hinaus stellen, 
ich werde für sie räuchern, trommeln und ein paar Lieder singen. 
Ich freue mich, wenn sie kommt und mir in die Augen blickt, 
wenn sie mich in die Arme nimmt, mich liebevoll festhält, mich tröstet,
 mir die Lasten des alten Jahres nimmt mich vielleicht auch ein wenig zurecht weist, 
dort wo ich es selbst nicht erkennen kann 
und mich dann gestärkt ins neue Jahr entlässt.
 Ich wünsche Euch allen wunderschönen Begegnungen mit der Percht.



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