Sonntag, 2. Dezember 2018

Was ist der Sinn von Beziehung bzw. der Sehnsucht danach?

(aus: “Wie geht (Selbst)Liebe wirklich?” von Gabriele Rudolph)
Der Sinn von Beziehung, wenn es denn einen gibt, 
liegt NICHT hauptsächlich darin, 
dich oder mich glücklich oder ganz zu machen - 
so schön es ist, zu lieben und geliebt zu werden. 
Sie zeigt mir auch und vor allem, welche ungelösten Verstrickungen,
 Traumata oder Situationen ich noch aus meiner Ursprungs-Familie 
auf andere projiziere, oder, in anderen Worten: 
Wo ich noch fest daran glaube, dass ich ein kleines Kind bin, 
das seine kindliche Bedürftigkeit auf eine Mama, Papa
 oder Familie im Außen projiziert. 

Ich merke das daran, dass ich oft nicht glücklich und zufrieden bin
 und zwanghaft daran glaube, dass es so etwas wie einen Mangel gibt,
 den nur ein Gegenüber durch seine Liebe, Zuwendung, Aufmerksamkeit
 etc. beheben kann und wende alle meine erlernten Strategien an, 
um eine/n Partner/in zu finden bzw. um von ihm/ihr zu bekommen, 
was ich möchte. 
Dies führt ganz natürlich zu Frustration und lädt mich ein, die Aufmerksamkeit zurück zu mir zu nehmen und zu erkennen, was ich tue, glaube, fühle und, vor allem, was ich wirklich bin. 
Anders ausgedrückt: 
Jede Art von Begegnung, die mich unglücklich, ärgerlich, traurig oder
 eifersüchtig macht bzw. mich frustriert, zeigt mir, 
wo ich welche Erwartungen nach Außen projiziere auf jemanden
 oder etwas, der/das mir das, was ich suche, möchte oder brauche,
 nicht geben kann oder möchte. 
Sie wirft mich gewissermaßen auf mich selbst, auf Das zurück, 
was ich wirklich bin und macht mir deutlich, 
dass ich immer zuallererst alleine - Alles-in-Einem bin. 

Denn das Glück, die Liebe, den Frieden, den du dort suchst, 
findest du niemals dauerhaft im Anderen – 
so schön es ist, in Harmonie mit einem oder mehreren Menschen zu sein
 und sich gegenseitig zu unterstützen. 
Alles, was du in einer Beziehung suchst, ist bereits – 
du selbst bist Es. 
Und Es kann nicht vor allem durch die Liebe, Zuwendung 
oder Bestätigung eines anderen gefunden werden, 
sondern indem du deine eigene Fähigkeit optimierst,
 dich selbst zu lieben bzw. zu entdecken, dass Alles, was ist – 
genau so wie Es erscheint – bereits Das ist, was du suchst. 
In anderen Worten: 
Alles ist der/die Geliebte - in Verkleidung.

Nun erscheint es aber oft dennoch so, als sei das nicht so.
 Und es wäre absolut nicht ehrlich, 
so zu tun als wäre es bereits anders, oder? 
Und das ist für mich das Erstaunliche daran: 
Dass wenn du total dazu stehst, dass da gerade Unzufriedenheit, 
Schmerz, Angst, tiefe Bedürftigkeit oder Eifersucht bzw. der Wunsch da ist,
 all das loszuwerden, dass das bereits ein Akt tiefer Selbstliebe ist. 
Wenn du also bereit und in der Lage bist, 
Das, was bei dir erscheint - 
genau so wie Es erscheint (!) - 
liebevoll und in gewisser Weise auch hilflos wahrzunehmen, 
nicht davor wegzurennen, es nicht einem anderen, 
Gott oder dem Leben in die Schuhe zu schieben, 
sondern total dazu zu stehen – einfach, weil du gar nicht anders kannst – 
ist das der unmittelbarste Ausdruck von Selbstliebe, den es gibt. 

Und, das ist das Erstaunliche daran: 
Darin löst sich alles auf, was vorher Spannung, 
Trennung bzw. Schmerz verursacht hat. 
Was übrig bleibt, ist: 
Stille, tiefer Frieden, unendliche Weite - 
und oft auch erstaunliche Erkenntnisse über dich selbst.
Fazit: 
Das Ziel einer Partner- oder Freundschaft, 
einer Arbeitsbeziehung oder einfach einer Begegnung 
ist nicht vor allem, dich glücklich zu machen 
und auch nicht geliebt zu werden, 
sondern zu entdecken, 
was bereits glücklich und im Frieden ist 
und zu durchschauen, was dich davon trennt – 
ungelöste Traumata, Ängste, Glaubenssätze und Überlebensstrategien:
 um sie - anstatt sie im Außen immer wieder schmerzlich zu reinszenieren - 
liebevoll und behutsam aufzulösen. 

Deshalb heißt Satsang bei mir Satt-Sang: 
weil er einlädt, dich Dem zuzuwenden, was bereits satt ist – 
bis du selbst siehst, dass du selbst genau Das bist und schon immer warst.
 Dann brauchst du keinen Satsang, keine Therapie und keine/n Partner/in 
und auch kein Liebesdrama mehr im Außen,
 um glücklich und im Frieden mit dir zu sein. 

Dann bist du satt, 
so satt, dass du keinen Mann und keine Frau im Außen brauchst, 
der dich liebt bzw. niemanden, den du lieben, 
dem du helfen oder bemuttern/bevatern müsstest, 
um dich wertvoll, geliebt oder nah zu fühlen, 
dich zu orientieren, zu bekommen, wonach du schon so lange suchst 
oder deinem Leben Sinn zu geben. 
Und - das ist das Erstaunliche daran - 
häufig fühlen sich dann dir entsprechende Menschen
 auch viel mehr angezogen - 
weil sie spüren, dass du sie nicht (miss)brauchst. 

Aber wenn das gerade nicht der Fall ist, 
stehe einfach dazu 
und hole dir auch kompetente Hilfe, 
wenn sie vonnöten ist. 
Auch das ist aufrichtige Selbstliebe - 
in Aktion. 




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