Freitag, 5. Februar 2016

Nackt werden

Text und Bild (c) Eva-Maria Eleni
Was ist noch übrig,
wenn ich nur noch bin, wie ich bin?
Was ist noch übrig,
wenn ich nicht mehr danach suche
jemandes Erwartungen zu erfüllen?
Was ist noch übrig,
wenn es mir egal ist, ob ich jemandem gefalle oder nicht,
wenn es mir egal ist, was ein and´rer von mir hält,
was einer falsch findet oder was er lieber sehen würde?

Dann bin nur noch ICH übrig -
nackt und pur! 
Nichts ist mehr da, was dieses ICH verschleiert.
Jetzt ist der große Schmerz da -
er ist nicht nur der meine -
es ist der Schmerz aller Menschen,
die sich irgendwann daran gewöhnt haben,
gefallen zu wollen,
gefallen zu sollen, zu müssen.
Jetzt aber gehöre ich nur noch mir.
Den Schmerz behalt ich bei mir
so lang er bleiben muss. 
In ihm liegt meine Heilung.
Ich renn nicht mehr fort vor ihm,
nicht mehr fort vor mir,
nur weil alle anderen so daran gewöhnt sind,
ständig etwas irgendwie finden und bewerten zu müssen 
- auch sich selbst - 
ständig herumziehen und zerren, 
ständig etwas finden, das anscheinend nicht passt,
etwas finden, das sie verändern müssen, wollen, sollen.

Was ist dann noch übrig,
habe ich all das abgelegt.
Jetzt bin ich nur noch ich, so wie ich bin, jetzt!
Ich atme, ich fühle, 
ich werde lebendiger.
Die Illusion verliert sich,
über alles was ich nicht bin, nie war, 
wie Schall und Rauch seh ich sie emporsteigen.
Erschreckt dich das?

Noch fühle ich den Schmerz, 
weil ich so lange weg war von hier, weg war von mir,
Spüre die Löcher,
welche mir einst gerissen, 
von anderen und von mir selbst - weil ich ihnen geglaubt habe.
Doch tut es gut ihn zu fühlen,
denn jetzt bin ich bei mir,
ganz bei mir!

Mag der Rest wer Welt sich noch drüber aufregen,
dass ich mir erlaube zu sein wer ich bin 
- alles Schall und Rauch -
dass ich mir erlaube, dass es mir egal ist, 
was sie alle wollen und meinen zu wissen,
wie ich gehör 
- alles Schall und Rauch -.

Ich war das nie und heute weiß ich,
ich geh nicht mehr zurück,
versuch nicht mehr, Anerkennung zu gewinnen,
oder bewundert zu werden,
denn mein Schmerz erschreckt mich heut´ nicht mehr.
Ich brauch kein Pflaster mehr und keine Flucht.

Da - der Nebel beginnt sich zu lichten,
jetzt, da ich näher bei mir bin,
als jemals zuvor.